Markus Lanz

Künstler

Markus Lanz, München
The secret life of plants / Teil einer Ausstellung mit Pk. Odessa Co



Auszug eines Gespräches mit Pk. Odessa Co:
„The secret life of plants“ bezieht sich auf einen Soundtrack von Stevie Wonder zu einem gleichnamigen Film aus den 70er Jahren. Der Film wie auch die zugrunde liegende Publikation vertreten die These einer „primären Wahrnehmung“ von Pflanzen.
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ML: Für mich ist in diesem Zusammenhang weniger die ins Feld geführte These als vielmehr der Versuch einer Beweisführung interessant. Ich weiß nicht ob er sich in eine wissenschaftliche Relevanz einordnen lässt, aber er bietet genügend Stoff für Spekulationen und Erfindungen vermeintlicher Realitäten. Eben dies interessiert mich auch an der Fotografie. Ein Medium das oftmals als Beweisführung einer scheinbaren Realität benutzt wird. Mich aber interessiert generell an einem fotografischen Bild, das immer nur ein Bild ist, die Irritation. Das erzählende Moment. Die Möglichkeit einer Spekulation oder Erzählung über die Dinge, die sich aus der Wahrnehmung entwickeln lässt.
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In der Bildsprache früher botanischer Aquarelle und Zeichnungen, die die Entdeckung und folgende Zuordnung einzelner Pflanzen in Gattungen illustrieren, sehen wir eine Sammlung blütenbehangener, so wage ich zu behaupten exotischer, Pflanzenäste.
ML: Ja, die Serie orientiert sich genau an diesen Darstellungen des Entdeckens, Erforschens, Benennens und Zuordnens der natürlichen Umwelt. Die Dinge werden aus ihrem Kontext gegriffen und in eine Ordnung gebettet. Ein Vorgehen, das auch maßgeblich unsere Wahrnehmung betrifft. Die Fotos zeigen Pflanzenteile, die aus ihrem räumlichen Kontext entfernt in ihrem zeitlichen Kontext verbleiben.
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Bilder von Dickichten, von paradiesisch tropischen oder eklig feuchten Dschungelwelten, scheinen allgegenwärtig. Sie sind en vogue, ob in der Kunst oder in seltsam anmutenden Fernsehserien.Warum beschäftigt sich eine Eurer Serien mit diesem Dickicht?
ML: Der Blick in das Dickicht ist kein kolonial verklärter oder gar bewusst ekelerregender. Die Fotografien sind nicht mit einem Titel versehen, das Gesehene ist nur schwerlich zu fassen. In diesem Sinne stehen sie auch den einzelnen, den benennbaren Einzelblüten kontrapunktisch gegenüber. Es ist der Blick in eine erst mal orientierungslose Welt, in eine beunruhigende Unordnung, die sich der direkten Beschreibung entzieht. Der Blick in eine sehr fragile Pflanzenwelt in randgeschützten oder vergessenen Bereichen der Städte. Nicht Wildnis im romantischen Sinne, nicht intakte Primärwälder, sondern erschlossene und peripher benutzte Bereiche. Es ist eine Arbeit, die sich mit den Mechanismen meiner Wahrnehmung beschäftigt. Der entdeckende Blick sucht nach der Affinität zum Gegenstand der Entdeckung. Der Blick des Fotografen und des Bildbetrachters gleichermaßen.

CV: 

Markus Lanz, geboren 1965, ist Architekt und arbeitet als Stadtforscher und Fotograf. Zur präzisen Wahrnehmung städtischer Räume und der Darstellung und Reflexion aktueller urbanistischer Phänomene widmet er sich der Fotografie. Im Jahr 2009 gründete er zusammen mit den beiden Fotografen Sebastian und Simon Schels The Pk. Odessa Co. 2011 lehrte Markus Lanz als Gastprofessur Raum und Bild an der Universitat Politècnica de Catalunya in Barcelona, 2012 an der TU München.