Nicole Dierolf

Künstler

Nicole Dierolf, Essen
ohne Worte



Die Arbeit „ohne Worte, 2012“ besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil sind autobiografische Texte, die mit einer Schreibmaschine auf Telefonbuchseiten aufgezeichnet wurden. Der Zweite ist ein Video (7:78 Min.), das den Schreibprozess mit der Schreibmaschine dokumentiert. Die Dauer des Videos basiert auf der Länge, die für das Tippen einer Telefonbuchseite benötigt wurde.

Den inhaltlichen Schwerpunkt meiner Arbeiten bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit bestimmten Alltagsmaterialien und Gegenständen – im speziellen mit dem Telefonbuch - deren Funktion sich aufgrund eines Ordnungssystems auszeichnet. Dabei geht es auch immer um die Frage nach der Verhandlung von Ordnungssystemen deren Wesen und Funktion in künstlerischen Arbeiten. Ordnungssysteme besitzen nicht nur funktionale Aspekte, sie bieten auch Raum für einen ästhetischen Diskurs.
Das Telefonbuch ist ein Verzeichnis von Kontaktdaten aus einem bestimmten Einzugsgebiet in gedruckter Buchform für die Öffentlichkeit. Die gesammelten Daten sind nach dem Ordnungssystem – dem Alphabet – geordnet. Das Alphabet selbst besteht aus Buchstaben, die wiederum sich zu Worte und Sätze formen, wodurch Sinn entsteht. Der Prozess des Schreibens ist auch immer ein Prozess des Ordnens und Sichtens. Schriftliche Dokumentationen eigener Lebenserinnerungen – in Form eines Tagebuchs - unterliegen unterschiedlichsten Motiven. Charakteristisch jedoch ist, dass es sich i. d. Regel um intime und persönliche Aufzeichnungen handelt, und somit nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

„ohne Worte, 2012“ lässt persönliche Aufzeichnungen in einer Masse von Buchstaben – hinter Namen und Ziffern, hinter alphabetischen Ordnungssystemen des Telefonbuchs verschwinden. Es entstehen Lücken, Brüche und Störungen, die den Prozess der Decodierung erschweren. Die Texte bleiben ein Fragment aus Buchstaben und einzelnen Worten. Der Sinn des Rückblicks aber auch des Einblicks bleibt verwehrt.
Es entsteht ein Bild. Zeitgleich dokumentiert das Video den Akt des Schreibens. Hierbei wird auf jeden Verweis von Person, Ort oder Zeit verzichtet – es dokumentiert den physischen Akt des Tippens, den Rhythmus und Fluss des Schreibens.


CV: 
2004 - 2012	Folkwang Universität der Künste, Essen
			Frau Prof. Gisela Bullacher (künstl. Fotografie)
			Herrn Prof. Jörg Eberhard (experimentelle Gestaltung)
			Herrn Prof. Christopher Muller (künstl. Fotografie)

2007 - 2008	University of New South Wales, Australien
			Contemporary Cinema Course – Asia, Middle East, European

2011		Marianne Ingenwerth-Stiftung
		Projektstipendium für besonders begabte und förderungswürdige 
		Studenten

2012	Diplom
		Untitled #48, 2012
		Frau Prof. Gisela Bullacher
		Frau Prof. Gabriele Genge


Ausstellungen

Dez. 2012 - Juni 2013		Egon Zehnder, Düsseldorf (G)
März 2012 - April 2012	Diplom Ausstellung, Essen (G)
2011		„Open Studios“, Galerie Viehoferstr. 52 (G) 
2010	„Kunstspur“, Atelierhaus Alte Schule, Essen (G)
2008	„Von Dir zu Mir“, Kunstbunker Tumulka, München (G)
		„Von Dir zu Mir“,  Wissenschaftspark Gelsenkirchen, Gelsenkirchen (G)
2006	„Feldstärke“, Interdisciplinary Plattform for Art Academies
		Pact Zollverein, Essen (G)